Fed im Fokus – Gold kämpft um die 4.000$

29.07.2026 18:26

Gold und Silber eröffneten die Handelswoche im Plus, wobei der Goldpreis am Montag bis auf 4.115 $ und Silber bis auf 59,9$ sprangen, nachdem der Rohölpreis zur Handelseröffnung Sonntagnacht deutlich gefallen war, nachdem sich am Wochenende eine gewisse Entspannung im Mittleren Osten abzeichnete. Hintergrund waren Hoffnungen auf eine vorübergehende Kampfpause, neue diplomatische Gespräche und eine mögliche Entspannung rund um die Straße von Hormus.

Nach dem ersten initialen Anstieg gerieten beide Edelmetalle schnell wieder unter Verkaufsdruck, obwohl der Rohölpreis bis Dienstagabend weiter nachgab. Die anfänglichen Gewinne wurden mittlerweile vollständig wieder abgegeben und Gold handelt 0,6% und Silber rund 1,5% unter dem Vorwochenschlusskurs. Platin handelt bei rund 1.600 $ und damit über einer wichtigen Unterstützung, die in den letzten Wochen Halt bot, deren Tragfähigkeit bei einem weiteren Rohöl- und Zinsanstieg jedoch angezweifelt werden muss. Der Palladiumpreis hatte in den letzten Wochen hingegen etwas Stärke gezeigt und keilt sich aktuell charttechnisch um die Marke von 1.250 $ ein. Sollte die Fed am Mittwochabend hawkish bleiben und sich die Lage im Mittleren Osten erneut zuspitzen, wäre auch hier ein weiterer Rückgang in Richtung 1.000 $ denkbar.

Die Edelmetalle und die Minenaktien befinden sich noch immer in der Korrektur

Dass sich Gold und Silber in dieser Woche trotz des zwischenzeitlich schwächeren Rohölpreises nicht nachhaltig erholen konnten, unterstreicht die anhaltende Schwäche am Edelmetallmarkt. Besonders kritisch bleibt, dass Gold weiterhin nur knapp oberhalb der wichtigen Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze handelt, während das Sentiment noch immer viel zu bullisch, wie die Terminmarktdaten der CFTC zeigen, was ein weiteres Korrekturrisiko für den Goldpreis signalisiert. Da der Rohölpreis nach seiner erwartbaren Korrektur inzwischen wieder anzieht, steigt damit erneut der Druck auf Gold und Silber, sodass die Unterstützung bei Gold um die 4.000$ zunehmend gefährdet ist.

Der Markt richtet seinen Blick nun auf die US-Notenbanksitzung am heutigen Abend sowie auf die anstehenden PCE-Inflationsdaten am Donnerstag. Der Zinsentscheid und die anschließende Pressekonferenz mit Kevin Warsh dürften entscheidend dafür sein, ob die Zinserwartungen weiter steigen oder Gold kurzfristig noch einmal Entlastung erhält und die Unterstützung bei 4.000 $ verteidigen kann.

Nach aktuellem Stand vom Mittwochmittag liegt die Wahrscheinlichkeit nach den Fed Funds Futures bei rund 64 %, dass die US-Notenbank am heutigen Abend keine Zinserhöhung beschließt. Für die September-Sitzung wird hingegen eine Anhebung um 25 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 80 % eingepreist.

Die Marktzinsen steigen weltweit und die US-Notenbank könnte in Bälde mit einer Zinsanhebung nachziehen

Eine hawkische Überraschung der Fed, feste PCE-Daten oder erneut steigende Energiepreise würden den Druck auf die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ erhöhen.

Besonders der Rohölpreis bleibt ein entscheidender Faktor, den wir ganz genau beobachten. Seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und dem Iran Ende Februar ist Gold bereits um rund 25% gefallen. Steigt Rohöl weiter, wonach es aktuell aussieht, dann hätte die Fed kaum Spielraum, was den US-Dollar stützen, die Zinsen oben halten und Gold sowie Silber weiter belasten würden.

Bei den ETF-Strömen zeigte sich zuletzt ein gemischtes Bild in der letzten Woche. Der SPDR Gold Shares ETF verbuchte in der vergangenen Woche Zuflüsse von insgesamt 1,33 Mrd. US-Dollar, während sein Kurs um 1,12 % zulegte, wogegen der iShares Silver Trust ETF Abflüsse von 30,23 Mio. US-Dollar verbuchte.

Solange sich diese Gemengelage aus hohem Ölpreis, hawkisher Fed, starkem US-Dollar, einem deflationären und rezessiven Marktumfeld nicht auflöst, bleibt jede Erholung am Goldmarkt eher eine erneute Short-Chance. Ein Bruch der Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze würde ein klares technisches Verkaufssignal liefern und den Weg für die nächste Abwärtsbewegung öffnen.

Der Goldpreis hat bereits einen Großteil der dritten Impulswelle korrigiert. Dies ist nach starken Aufwärtsbewegungen ein typisches Muster und stellt den langfristigen Bullenmarkt nicht infrage

Perfekter Sturm am Rohölmarkt erhöht den Druck auf die Edelmetalle

Die Terminmarktdaten der NYMEX deuten im COT-Report darauf hin, dass im vergangenen Monat ein Defizit am Rohölmarkt bestand. Der Rohölpreis stieg zum Stichtag des 21. Juni deutlich um 11 $ auf 84 $ im Vergleich zum Vormonat, während sich gleichzeitig die Positionierung am Terminmarkt spürbar verbesserte. Spekulanten halten nur noch eine Netto-Long-Position von 108 Tsd. Kontrakten. Das ist ein vergleichsweise niedriges Niveau, weshalb sich der COT-Index mit aktuell 84 Punkten im antizyklisch bullischen Bereich befindet.

Seitens des Terminmarktes besteht damit genügend Potenzial für einen weiteren Anstieg des Rohölpreises. Sollte sich der Konflikt im Mittleren Osten verschärfen und über die kommenden Wochen und Monate anhalten, dürfte der Preis weiter deutlich steigen und die bisherigen Jahreshochs überwinden.

Während der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus wieder auf null gefallen ist, führen die mit Iran verbündeten Huthi gezielte Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Bab al-Mandab durch. Dadurch ist der tägliche Tankerverkehr auf nur noch sieben bis zwölf Schiffe zurückgegangen. Viele Reedereien meiden die Route inzwischen und weichen über das Kap der Guten Hoffnung aus, wodurch Frachtraten und Versicherungskosten steigen. Damit ist die zweite Front des Irans im Roten Meer ein weiterer Risikofaktor für den Ölpreis.

Unterdessen ist die Strategische Erdölreserve der USA auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen, nachdem seit Mai rund 100 Mio. Barrel entnommen wurden. Eine Zeit lang konnte dieses zusätzliche Angebot einen noch stärkeren Anstieg des Rohölpreises verhindern. Mittlerweile nähert sich die Reserve jedoch einem Niveau, auf dem weitere Entnahmen operativ zunehmend problematisch werden dürften. Damit droht ein wichtiger preisdämpfender Angebotsfaktor am Ölmarkt zu versiegen.

Ein nachlassendes Angebot aus den strategischen Ölreserven, die Angebotsrisiken rund um die Straße von Hormus und Bab al-Mandab sowie ein gleichzeitig überverkaufter Terminmarkt bilden zunehmend einen perfekten Sturm für den Rohölpreis, je länger der Krieg im Mittleren Osten andauert.

Der Terminmarkt an der NYMEX für WTI ist stark überverkauft und lässt eher Luft nach oben als nach unten. Bei einer Verschärfung der Lage im Mittleren Osten sind jetzt schnell wieder 120$ und mehr möglich

Angesichts dieser Terminmarktdaten dürften kurzfristige Friedensbekundungen kaum ausreichen, um den Rohölmarkt nachhaltig zu entspannen. Der Druck im Kessel bleibt hoch. Nur ein dauerhafter Frieden im Mittleren Osten und eine gesicherte freie Passage durch die Straße von Hormus könnten einen weiteren kräftigen Anstieg des Rohölpreises noch verhindern. Steigt Rohöl hingegen weiter, dürften auch die Verbraucherpreise erneut Auftrieb erhalten. Das würde den US-Dollar stützen und die Fed dazu zwingen, ihren restriktiven Kurs länger beizubehalten.

Preisdämpfend wirkt lediglich die sich weltweit eintrübende Konjunktur infolge der stark gestiegenen Zinsen der vergangenen Jahre. Eine schwächere Wirtschaft reduziert mittelfristig die Nachfrage nach Rohöl und wirkt damit als Gegengewicht zur geopolitisch bedingten Angebotsverknappung. Gleichzeitig ist genau diese Kombination aus hohem Ölpreis und schwächerer Konjunktur besonders problematisch für zyklische Edelmetalle. Platin und Palladium dürften in einem solchen Umfeld weiter unter Druck bleiben.

Nach dem starken Anstieg des Rohölpreises von 67 $ auf 93 $ binnen drei Wochen kam es in dieser Woche zu einer erwartbaren technischen Korrektur. Im Anschluss an die aktuelle Korrektur dürfte der Preis erneut bis in den Bereich um 92 $ ansteigen. Gelingt der Ausbruch über diesen Widerstand, wäre angesichts des COT-Reports ein Short Squeeze am Terminmarkt möglich, der den Rohölpreis nochmals stark anschieben könnte. Damit wären schnell die Jahreshochs um die 120$ je Fass in Reichweite.

Für Gold und Silber wäre eine solche Entwicklung klar belastend. Ein weiter steigender Rohölpreis würde die Inflationserwartungen stützen, den US-Dollar stärken und die Fed länger hawkish halten. Damit steigt das Risiko, dass Gold die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze bricht und die nächste Abwärtsbewegung einleitet.

Der Rohölpreis korrigierte in dieser Woche, doch könnte dieser nun seinen Preisanstieg fortsetzen

Technische Analyse: Gold – Wichtige Technische Marken im Blick – Neue Trading-Chance bahnt sich an

Terminmarkt: COT-Report

Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

COT-Analyse vom 24. Juli:

Der Goldpreis stieg zur Vorwoche um 24 $, während sich der COT-Index um einen Punkt verbesserte. Die Commercials gingen mit 1,6 Tsd. Kontrakten Long, womit sich die Positionierung kaum verändert hat. Dennoch zeigte sich in der vergangenen Woche eine minimale Stärke.

Bereits in den beiden Vorwochen war eine deutlichere Stärke zu erkennen. Das verwundert nicht, da der Goldmarkt an der wichtigen Marke von 4.000 $ neue Investmentnachfrage erfuhr und Käufer auf das Parkett traten. In der letzten Woche hat diese Stärke jedoch bereits wieder deutlich abgenommen.

In dieser Woche zeigte sich der Goldpreis erneut sehr schwach und näherte sich der wichtigen Marke von 4.000 $ wieder deutlich an, obwohl der Preis seit Wochenbeginn korrigierte. Auch der Silberpreis stand unter Druck.

Mit einem COT-Index von 18 Punkten bleibt der Terminmarkt weiterhin stark überkauft und bietet genügend Long-Drop-Potenzial. Die COT-Daten sprechen dafür, dass der Goldpreis mindestens eine Etage tiefer bis zur nächsten signifikanten Unterstützung korrigieren sollte.

Der Terminmarkt zeigt – das Sentiment ist immer noch recht bullisch, was antizyklisch eher ein Warnsignal darstellt
Die BIG4 halten eine relativ geringe Short-Position, was neutral zu werten ist

Im Aufzug eine Etage tiefer

Anfang Juni brach der Goldpreis seinen Aufwärtstrend und fiel auf die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze zurück. Auf diesem Niveau konsolidiert der Markt seither. Die Volatilität nimmt ab, während der Markt diese psychologisch wichtige Marke bereits mehrfach getestet hat. Damit steigt nun das Risiko, dass Gold diese Unterstützung nach unten bricht.

Der Terminmarkt ist weiterhin stark überkauft, während das Sentiment für Gold ungebrochen bullisch bleibt. Aus antizyklischer Sicht sind dies klare Warnsignale, dass das Kaufniveau noch nicht erreicht wurde. Gleichzeitig ist der Rohölpreis zuletzt wieder deutlich gestiegen. Auch am Rohölmarkt zeichnet sich eine Verknappung ab, da die Terminmarktdaten in den Kaufbereich gerutscht sind und sich am physischen Markt ein Defizit zeigt.

Hält der Konflikt im Mittleren Osten an, so könnte der Rohölpreis schon in Bälde auf neue Jahreshochs ansteigen. Das würde den US-Dollar zusätzlich stärken und weiteren Verkaufsdruck auf den Goldpreis auslösen. Das aktuell wahrscheinlichste Szenario bleibt daher, dass Gold die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ je Feinunze bricht und eine Etage tiefer bis zur nächsten signifikanten Unterstützungszone bei 3.400 $ bis 3.600 $ fällt.

In diesem Bereich wäre die dritte Impulswelle des zweijährigen Anstiegs der Jahre 2024 und 2025 korrigiert. Zugleich bestünde dort die Chance, dass der Markt ausreichend von spekulativen Übertreibungen bereinigt wurde. Auf diesem Niveau dürften erneut Käufer in den Markt kommen, die den Goldpreis relativ schnell wieder in Richtung 4.000 $ treiben könnten.

Kurzfristig bleibt das Bild damit angeschlagen. Im Bereich von 3.400 $ bis 3.500 $ wäre jedoch der Zeitpunkt gekommen, Short-Positionen einzudecken und kurz- bis mittelfristig wieder auf die Käuferseite zu wechseln.

Das bullische Szenario setzt hingegen voraus, dass sich die Fed überraschend dovish zeigt und eine lockerere Geldpolitik in Aussicht stellt, der Rohölpreis auf wundersame Weise wieder in Richtung 60 $ fällt und zugleich die Unterstützung bei 4.000 $ hält.

Auf der Short-Seite dürfte sich im Trading daher noch einmal ein attraktives Gewinnpotenzial bieten.

Die Unterstützung bei 4.000$ dürfte in den nächsten Wochen bereits brechen, was ein Verkaufssignal und einen Einbruch auf 3.400$ bis 3.600$ nach sich ziehen dürfte

Goldpreis in Euro: Aufwärtstrend in Gefahr

Der Goldpreis in Euro handelt aktuell bei 3.537 € je Feinunze und damit weiterhin oberhalb seines seit Mitte 2024 bestehenden Aufwärtstrends. Ein kurzfristiger Abwärtstrend wurde bereits überwunden. Sollte der Goldpreis in US-Dollar jedoch die wichtige Unterstützung bei 4.000 $ durchbrechen, wonach es aktuell aussieht, dürfte auch der Goldpreis in Euro seinen Aufwärtstrend unterschreiten und auf die nächste wichtige Unterstützung zurückfallen.

Diese liegt in Euro im Bereich von 2.900 € bis 3.000 € je Feinunze. Vom aktuellen Niveau aus entspräche dies noch einmal einem Rückgang von rund 500 € bis 600 € je Feinunze, bevor sich auf mittel- bis langfristige Sicht eine attraktive antizyklische Kaufchance bieten würde.

Bei einem Rückgang auf 3.000 € wäre der Goldpreis in Euro gegenüber seinem Allzeithoch zum Jahresbeginn bei 4.600 € um rund 35 % gefallen. Im unteren Bereich der Unterstützungszone bei 2.900 € läge der Rückgang bei rund 37 %. Es ist davon auszugehen, dass auf diesem Niveau Verkaufspanik herrschen und sich der Terminmarkt größtenteils bereinigt haben dürfte.

Mittel- bis langfristig agierende Investoren fänden auf diesem Kaufniveau eine nochmals interessante Kaufgelegenheit.

Solange der Aufwärtstrend intakt bleibt, ist das kurzfristige charttechnische Bild aktuell noch bullisch. Sobald dieser Aufwärtstrend jedoch bricht, öffnet sich jedoch die Falltür und der Goldpreis dürfte relativ schnell um weitere 500 € je Feinunze fallen.

Der langfristige Aufwärtstrend könnte nun in den nächsten Wochen brechen. Noch hält er stand und es bleibt die kleine Hoffnung, dass der Goldpreis von hier aus wieder ansteigen kann

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