Fragiler Waffenstillstand – Gold und Silber überspringen Abwärtstrends

10.04.2026 11:56

Die Edelmetallpreise stiegen in der Nacht auf Mittwoch stark an, nachdem ein zweiwöchiger Waffenstillstand im Nahen Osten ausgerufen wurde, mit dem Ziel Friedensgespräche zu führen. Der Rohölpreis stieg erst am Dienstagabend mit über 117 $ erneut auf sein 4-Jahreshoch an, nachdem der Konflikt weiter eskaliert war und die USA Kharg Island angriffen, Irans wichtigstem Ölexportterminal, kurz bevor Trumps Ultimatum um 2 Uhr nachts enden sollte. Erste Informationen zu einem Waffenstillstand drangen um 00:32 durch, worauf der Rohölpreis binnen einer Stunde um 22 % auf 91,08 $ kollabierte. Trump hatte erst 43 Minuten später auf Truth Social den Waffenstillstand bekanntgegeben.

Gold stieg daraufhin unter Short-Eindeckungen bis auf 4.858 $ und Silber auf 77,16 $ an, wobei sie ihre Abwärtstrends überwanden und auch der Platinpreis wieder auf 2.074 $ anstieg. Die Goldminenaktien legten mit dem Standardaktienmarkt stark zu, wobei die NASDAQ auf 25.084 Punkte sprang und der S&P500 wieder auf 6.843 Punkte, womit ein baldiger Friede schnell eingepreist wurde.

Rückläufige Energiepreise würden den Inflationsdruck durch den Energieschock mindern, was die Renditen der US-Staatsanleihen senken und so der US-Notenbank mehr Spielraum geben würde, wobei selbst im Falle eines Friedens Zinssenkungen erst einmal vom Tisch sind. Die Renditen der US-Staatsanleihen fielen mit dem Rohölpreis, während der USD-Index (DXY) unter die Marke von 100 auf 98,8 Punkte fiel, was den Anstieg bei Gold und Silber zusätzlich verstärkte. Der gestiegene Risikoappetit zeigte sich auch in einem Anstieg des Bitcoins auf fast 76.000 $, womit sich dieser von der wichtigen und noch immer gefährdeten Unterstützung bei 65.000 $ vorerst ein Stück entfernte.

Waffenstillstand – Risiken bleiben

Trotz Waffenstillstands gibt es bislang keinen freien Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, weshalb WTI mittlerweile wieder auf 102$ anstieg. Die Euphorie vom Mittwoch ist verdampft, doch angesichts dessen halten sich der Gold- und Silberpreis aktuell relativ stark, was die Hoffnung auf einen Frieden und mehr Spielraum für eine wieder lockerere Geldpolitik widerspiegelt.

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und Generalfeldmarschall Asim Munir hatten kurz vor Ablauf der Deadline bei Trump interveniert und ihn gebeten, das Ultimatum um zwei Wochen zu verlängern. Iran hatte zuvor einen 10-Punkte-Vorschlag via Pakistan übermittelt, in dem die ursprünglich geforderten US-Kriegsreparationen gestrichen worden waren. Trump erklärte in einem Social-Media-Beitrag, er habe weniger als zwei Stunden vor Ablauf einer selbst gesetzten Frist zur Auslöschung der „gesamten Zivilisation“ des Iran zugestimmt, die Bombardements auszusetzen und fügte hinzu, dass die Wiederöffnung der Straße von Hormus eine zentrale Bedingung für diese Pause sei. Trump akzeptierte und schrieb, fast alle strittigen Punkte seien bereits vereinbart und stellte die vollständige, sofortige und sichere Öffnung von Hormus als Bedingung. Diese Bedingung wurde erfüllt und Irans Außenminister Aragchi bestätigte den Waffenstillstand via X.

Dass die Straße von Hormus noch nicht geöffnet wurde, ist ein Risikofaktor, den die Märke wieder einzupreisen beginnen, weshalb der Rohölpreis wieder ansteigt. Teheran besteht auf einem vereinbarten Transitprotokoll, das die iranische Kontrolle über den Durchgang festschreibt und bezeichnet das Arrangement als „bedingten Durchgang". Der neue Oberste Führer Irans, Khameneis Nachfolger, genehmigte den Deal ausdrücklich. Israel stimmte ebenfalls zu, seinen Libanon-Feldzug für die Dauer der Verhandlungen auszusetzen. Die Verhandlungen zwischen den USA und Iran sollen am Freitag aufgenommen werden, wobei Iran seinen Langfristforderungen bereits jetzt ein klares Profil gegeben hat, die die vollständige Aufhebung aller primären und sekundären Sanktionen, Freigabe sämtlicher eingefrorener Auslandsassets, Schadensersatz für die Kriegsschäden sowie die verbindliche Verankerung aller Punkte in einer UN-Sicherheitsratsresolution. Ein Katalog, der in seiner Gesamtheit kaum verhandelbar erscheint, jedoch Teheran die Möglichkeit gibt, jeden einzelnen Punkt als Druckmittel einzusetzen. Iran stellte dabei in aller Deutlichkeit klar, diese Gespräche mit vollständigem Misstrauen zu führen.

Mit diesem Waffenstillstand ist die Kuh noch nicht vom Eis, doch hat sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Zentralbanken angesichts der hohen Energiepreise von Zinserhöhungen vorerst absehen werden, wobei am Markt neuerliche Hoffnungen zu Zinssenkungen keimen dürften.

FOMC: Die Fed in der Stagflationsfalle

Das am Mittwochabend veröffentlichte FOMC-Protokoll fiel hawkish aus und beschreibt in seltener Offenheit eine Notenbank, die in eine Lage geraten ist, aus der es keinen einfachen und schmerzfreien Ausweg mehr gibt. Die Fed Funds Rate blieb unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent, doch zum ersten Mal in diesem Zinszyklus schloss Fed-Chef Powell eine Erhöhung ausdrücklich nicht mehr aus, während das aktuelle Zinsniveau als neutral betrachtet wird. Der Dot-Plot zeigt, dass mittlerweile sieben von neunzehn Teilnehmern für 2026 überhaupt keine Senkung mehr erwarten, während es zuletzt noch sechs waren.

PCE, BIP und Arbeitsmarkt bestätigen Stagflation

Die Projektionen für das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve, die Kern-PCE-Inflation, wurde auf 2,7 % angehoben, gegenüber 2,5 % und 2,4 % in den vorherigen Sitzungen. Die heute veröffentliche Kern-PCE-Inflation lag der Markterwartung entsprechend bei 3%, wobei der bevorstehende Energiepreisschock bisher noch nicht ankam. Die Inflation liegt damit einen vollen Prozentpunkt über dem Ziel der Fed, was ihr die Hände binden sollte.

Die Prognose für das BIP wurde im FOMC-Protokoll noch leicht nach oben korrigiert, während das heute veröffentlichte BIP-Wachstum des vierten Quartals mit 0,5 % die Erwartung von 0,7 % verfehlte, wobei die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 219 Tsd. die Erwartungen übertrafen.

Noch beunruhigender als die Inflationszahlen selbst waren heute die Begleitdaten. Einkommen und Konsumausgaben sprangen beide unerwartet ins Minus, was zeigt, dass der Energiepreisschock des Iran-Krieges die Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher bereits messbar belastet. Das persönliche Einkommen fiel um 0,1 %, wogegen ein Anstieg um 0,3 % erwartet wurde und die Konsumausgaben sanken ebenfalls um 0,1 %, während man einen Anstieg um 0,6 % gerechnet hatte. Der Energiepreisschock des Iran-Krieges frisst sich langsam aber sichtbar in die Kaufkraft der Konsumenten, während die Inflation hartnäckig hoch bleibt, sich das Wachstum abschwächt und folgend der Arbeitsmarkt unter Druck gerät. Die Stagflation, die ich bereits Ende 2019 für dieses Jahrzehnt prognostizierte und in den FOMC-Protokollen bisher noch als Risikoszenario erschien, ist in den harten Daten angekommen. Der Markt wartet gespannt auf die am Freitag erscheinenden US-Inflationszahlen, wobei in diesen der Energieschock erstmals sichtbar und ein Anstieg zum Vormonat von 0,9 % erwartet wird.

Der Rohölpreis ist heute unterdessen wieder auf 100 $ angestiegen, da die Straße von Hormuz noch immer blockiert ist, was insbesondere bärisch für die zyklischen Edelmetalle wie Platin und Palladium ist, sowie auch für Silber, dessen industrielle Nachfrage abnimmt, je länger der Rohölpreis auf diesem hohen Niveau handelt und somit die Volkswirtschaften belastet. Diese Entwicklung ist jedoch auch kurzfristig nicht bullisch für den Goldpreis, denn mit dem Angebotsschock am Energiemarkt nehmen die rezessiven Kräfte und somit die Kreditkontraktion zu. Solange die Notenbanken nicht lockern, ist das aktuelle Umfeld bei steigenden Zinsen ein kurzfristig eher belastender Faktor für den Goldpreis.

US-Notenbank sind die Hände gebunden

Das FOMC-Protokoll beschreibt eine Notenbank, die gleichzeitig mit erhöhten Aufwärtsrisiken für die Inflation und erhöhten Abwärtsrisiken für die Beschäftigung konfrontiert ist. Fed-Vizepräsident Philip Jefferson formulierte es am 7. April unmissverständlich: „Abwärtsrisiken für die Beschäftigung, Aufwärtsrisiken für die Inflation.“ Dies bedeutet, dass die Fed keinen Hebel hat, um die Inflation zu bekämpfen, ohne gleichzeitig das Wachstum abzuwürgen. Würde sie versuchen den Konjunkturzyklus durch geldpolitische Lockerungen zu verlängern, würde dies jedoch zu höherer Inflation und höheren Zinsen führen, was die Stagflation nur vertiefen würde. Die Notenbank hat nun nur noch die Wahl zwischen einem Eingreifen und der Verschärfung der Stagflation, was bullisch für Gold wäre oder sie lässt eine Rezession, Kreditkontraktion und einen Aktienbärenmarkt zu, was sich mittelfristig belastend für den Goldpreis auswirken würde, jedoch die vernünftige und aus der Sicht der Österreichischen Schule der Nationalökonomie der richtige Weg wäre.

Die Fed hat sich mit den QE-Programmen seit 2008 zunehmend in eine Ecke gepinselt

Goldmarkt nach der Gegenbewegung neutral

Zuletzt hatte ich bei Gold ein Verkaufssignal bei 5.400 $ ausgegeben, nachdem sich ein doppeltes Top ausgebildet hatte mit dem Ziel bei 4.200 $ in den nächsten Wochen und Monaten. Antizyklisch hatten wir eine Verkaufschance mit der Ausbildung eines tieferen Hochs erkannt und folgend prozyklisch Gold verkauft.

Durch den Krieg beschleunigte sich der Short-Trade dann deutlich und das Ziel wurde schneller als erwartet erreicht, worauf wir am Preisziel bei 4.200 $ unsere Gewinne mitnahmen.

In der Folge rechneten wir mit unseren Premium-Abonnenten mit einer Gegenbewegung in Richtung 4.700$ bis 4.800 $. Diese trat ein und wurde mit dem Waffenstillstand sogar ein zweites Mal angelaufen. Damit hat die erwartete Zwischenerholung grundsätzlich ihr Ende gefunden. Wir haben unsere Gewinne aus dem zwischenzeitlichen Long-Trade vollständig mitgenommen.

Charttechnisch hat der Goldpreis einen Pullback an den ehemaligen kurzfristigen Abwärtstrend vollzogen, nachdem zuvor der mittelfristige Aufwärtstrend getestet worden war. Der übergeordnete Abwärtstrend verläuft bei rund 5.000 $. Kurzfristig erwarten wir eine Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau. Institutionelle Investoren dürften den jüngsten Anstieg genutzt haben, um Gewinne mitzunehmen und ihre Positionen abzusichern.

Das kurzfristige Aufwärtspotenzial bleibt vorerst begrenzt. Ein erneuter Test des Aufwärtstrends in den nächsten Wochen und Monaten ist möglich. Erst ein nachhaltiger Bruch des Abwärtstrends bei etwa 5.000 $ würde das charttechnische Gesamtbild wieder ins Bullische drehen. Bis dahin ist eher mit einer trendlosen Seitwärtsphase zu rechnen und einem erneuten Test des Aufwärtstrends bei etwa 4.200$.

Der Goldpreis hat seinen PullBack an den ehemaligen Aufwärtstrend bei 4.800$ abgeschlossen

Frankreich repatriiert Gold aus den USA

Die Banque de France hat zwischen Juli 2025 und Januar 2026 die letzten 129 Tonnen Gold, die seit den späten 1920er Jahren bei der Federal Reserve Bank of New York gelagert waren, vollständig aus den USA abgezogen und damit eine über fast ein Jahrhundert bestehende Lagerbeziehung beendet.

Statt die alten Barren physisch über den Atlantik zu transportieren und einzuschmelzen, wählte die französische Zentralbank einen pragmatischen Weg. Sie verkaufte die nicht mehr standardkonformen Bestände in New York und erwarb in insgesamt 26 gestaffelten Transaktionen eine äquivalente Menge moderner, LBMA-konformer Standardbarren auf dem europäischen Markt. Diese werden nun vollständig in den Untergrundtresoren von La Souterraine in Paris gelagert. Damit befinden sich erstmals seit fast hundert Jahren die gesamten französischen Goldreserven von rund 2.437 Tonnen, den viertgrößten der Welt, ausschließlich auf französischem Boden.

Die jetzige Heimholung hat eine historische Parallele. Bereits in den 1960er Jahren begann Frankreich unter Charles de Gaulle damit, Dollarreserven in Gold zu tauschen und Bestände aus den USA zurückzuführen, weil das Vertrauen in die Stabilität des dollarbasierten Systems schwand. Dass Nixon wenig später 1971 das Goldfenster schließen musste, war eine direkte Folge dieses wachsenden Drucks auf die amerikanischen Goldreserven.

Offiziell begründet Notenbankgouverneur François Villeroy de Galhau den Schritt mit rein technischen Erwägungen. Auslöser sei eine interne Prüfung im Jahr 2024 gewesen, in deren Folge entschieden worden sei, veraltete, nicht normkonforme Barren gegen moderne Standardbarren auszutauschen. Da diese neuen Barren auf dem europäischen Markt gehandelt würden, sei Paris als Lagerort naheliegend gewesen. Politisch motiviert sei die Maßnahme ausdrücklich nicht gewesen.

Diese Erklärung wirkt auf den ersten Blick plausibel, doch der Zeitpunkt ist auffällig. Die Umsetzung fiel exakt in die Phase zwischen Juli 2025 und Januar 2026, also in jene Monate, in denen das Vertrauen in die Verlässlichkeit amerikanischer Institutionen unter der zweiten Trump-Administration zunehmend in Frage gestellt wurde. Dass nun ausgerechnet Frankreich den letzten Rest seiner Goldlagerung in New York beendet, dürfte daher kaum völlig bedeutungslos sein. Was offiziell als technische Modernisierung beschrieben wird, sendet in der Sache ein deutliches Signal: Westliche Zentralbanken denken wieder stärker darüber nach, wo ihre monetären Reserven im geopolitischen Ernstfall tatsächlich physisch sicher sind.

In Deutschland, dem Land mit den zweitgrößten Goldreserven der Welt, wird diese Debatte bereits offen geführt. Noch immer lagern rund 1.236 Tonnen Gold in den USA und erste politische Stimmen fordern öffentlich, dem französischen Beispiel zu folgen.

Aufgrund der rekordhohen Goldpreise realisierte die Banque de France einen Buchgewinn von rund 12,8 bis 13 Milliarden Euro. Nach einem Nettoverlust von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2024 führte dies im Geschäftsjahr 2025 zu einem Nettogewinn von 8,1 Milliarden Euro. Dieser Gewinn ist allerdings kein Trading-Erfolg, sondern im Wesentlichen die Realisierung der über Jahrzehnte aufgelaufenen historischen Wertsteigerung der Bestände, die nun nur neu bewertet wurde.

Das wirklich Interessante an diesem Vorgang ist daher weniger die Bilanzwirkung als die Timing-Frage. Die Umschichtung fiel genau in die stärkste Phase der Goldrallye, als der Goldpreis von 3.350$ auf 5.600$ extrem stark anstieg. Nach dem Allzeithoch im Januar 2026 fiel der Preis wieder zurück auf zuletzt fast 4.100 $ im Tief. Ob die Käufe der Banque de France selbst einen preistreibenden Effekt hatten oder ob diese zeitliche Koinzidenz reiner Zufall war, bleibt unklar. Es gibt keinerlei Transparenz darüber, wer die Gegenparteien dieser 26 Transaktionen waren und ob die in New York veräußerten Altbarren tatsächlich in den offenen Markt gelangten oder über private Deals absorbiert wurden.

Da es gut möglich ist, dass die verkauften Barren nicht ihren Weg auf den offenen Markt fanden, hat Frankreich mit seinen gestaffelten Käufen womöglich selbst den Preis mit nach oben getrieben und teuer gekauft, womit sie nun bilanziell nach der Neubewertung auf einem Minus sitzen könnten. Genauso ist jedoch denkbar, dass die eigene Nachfrage preislich kaum relevant war und die Käufe lediglich zufällig in die Rallye fielen. Genau beantworten lässt sich das nicht, da die Transparenz fehlt.

Frankreich hat seine letzten Goldbestände aus den USA abgezogen, ohne auch nur ein einziges Gramm physisch über den Atlantik transportieren zu müssen, hat die alten Barren in New York verkauft, neue Standardbarren in Europa gekauft, einen bilanziellen Gewinn realisiert und lagert nun seine gesamten 2.437 Tonnen Gold wieder vollständig im eigenen Land. Offiziell war es eine technische Umschichtung. In der Substanz ist es zugleich ein geopolitisches Signal.

Gold ist nicht umsonst das einzige Geld ohne Gegenparteirisiko. Dieses Privileg gilt aber nur dann uneingeschränkt, wenn auch der Verwahrer als vertrauenswürdig angesehen wird. Frankreich hat diese Frage für sich inzwischen beantwortet.

Befindet sich das deutsche Notenbankgold wirklich in New York?

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