Marktmanipulation, deflationäre Fed und die nächste Chance bei Edelmetallen?

22.04.2026 18:40

Der Goldpreis hat in dieser Woche um 2,2 % auf 4.760 $ nachgegeben, während der Silberpreis um 5 % auf 78,17 $ korrigierte, nachdem sich die Friedenshoffnung der vergangenen Woche über das Wochenende in Luft aufgelöst hatte. Am 17. April hatte der iranische Außenminister die Strasse von Hormuz offiziell für geöffnet erklärt und rund 200 aufgestaute Tanker konnten passieren, worauf der Rohölpreis an einem einzigen Tag um fast 11 % fiel. Gold stieg daraufhin kurzzeitig auf 4.891 $ an, während Silber mit fast 83 $ dem Widerstandsbereich um die Marke von 84$ sehr nah kam. Diese Hoffnung auf eine Entspannung des Konflikts im Mittleren Osten währte jedoch weniger als 24 Stunden und das geopolitische Bild drehte sich wieder einmal über das Wochenende, was die Diskussion um Insidergeschäfte und gezielte Marktmanipulation weiter anheizt.

Die Fronten verhärtete sich über das Wochenende wieder und der Iran erklärte Hormuz wieder für geschlossen, wobei iranische Kanonenboote zwei Tanker beschossen und US-Streitkräfte ein iranisches Frachtschiff angriffen. Der Waffenstillstand wurde am Dienstagabend einseitig seitens der USA auf unbestimmte Zeit verlängert, während der Iran dem nicht zugestimmt hat und Friedensgespräche nicht geplant sind. Die US-Blockade iranischer Häfen läuft jedoch weiter, während iranische Hardliner einen Trick zur Vorbereitung eines Überraschungsangriffs vermuten, womit die Lage sehr instabil bleibt. Brent stieg heute auf 98 $, während WTI bei 89 $ handelt, einem Plus von 10,2 % bzw. 7,3 % gegenüber dem Freitagsschluss.

Für Gold ist diese Entwicklung kurzfristig ungünstig und für die zyklischen Edelmetalle Silber, Platin und Palladium strukturell belastend. Der Platinpreis fiel seit Freitag um 2,1 % auf 2.082 $ und Palladium um 1 % auf 1.572 $. Je länger der Konflikt andauert, desto stärker trüben sich die Konjunkturerwartungen ein und die industrielle Nachfrage fällt. Was letzte Woche an Optimismus in den Edelmetallpreisen und in Rohöl steckte, wurde zu Wochenbeginn wieder ausgepreist. Sollten die Kampfhandlungen wieder aufgenommen werden, könnte es zu einem massiven Short-Squeeze mit folgendem Preisanstieg auf 140$ je Fass geben, wobei es für die Aktienmärkte und sowie die zyklischen Metalle erheblichen Raum nach unten geben würde.

Die deflationäre Wende der Fed und ihre Folgen für Gold und Aktien

Gestern stellte sich Kevin Warsh, Trumps Kandidat für den Fed-Vorsitz, dem Senate Banking Committee in einer Anhörung. Erwartet wurden Antworten zur Unabhängigkeit der Notenbank, zu seiner Nähe zum Weißen Haus bzw. der Unabhängigkeit der Fed und zu Zinssenkungen in der Zukunft. Warsh überraschte den Markt jedoch mit einer völlig unerwarteten geldpolitischen Strategie und bekräftigte seinen Wunsch nach einer Reform der Federal Reserve und forderte insbesondere eine Überprüfung der Forward Guidance, die er gänzlich abschaffen möchte, sowie einen neuen Inflationsrahmen.

In seiner Tragweite geht dies deutlich weiter, als es der Markt bislang eingepreist hat. Warsh will die Bilanz der Federal Reserve, die aktuell bei 6,7 Bio. US-Dollar liegt, aggressiv verkleinern und zugleich die kurzfristigen Zinsen senken. Seine Formel sei es, dass man sich mit einer kleineren Bilanz niedrigere Zinsen leisten könne.

Die Fed hat dem Markt in den letzten vier Jahren mehr als zwei Billionen US-Dollar Liquidität entzogen. Warsh will diese weiter schrumpfen

Warum die Fed heute kaum noch Handlungsspielraum hat

Ich hatte in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass sich die Fed mit ihren QE-Programmen und der massiven Ausweitung ihrer Bilanz geldpolitisch selbst in eine Ecke gepinselt hat. Ihr sind die Hände heute weit stärker gebunden als in früheren Zyklen. Die Möglichkeit mit neuen Eingriffen den Konjunkturzyklus künstlich zu verlängern und eine Rezession noch einmal hinauszuschieben, ist heute stark begrenzt, wenn nicht unmöglich. Im Kern bleibt der Fed damit nur noch die Wahl zwischen Stagflation und einer deflationären Rezession.

Ebenso hatte ich mehrfach dargelegt, dass die Fed nicht zwingend erneut die Gelddruckerpresse anwerfen muss. Mit den QE-Programmen der vergangenen zwei Jahrzehnte wurde das Bankensystem bereits zur Genüge rekapitalisiert. Das Verhältnis von M2 zur Geldbasis zeigt deutlich, dass das System heute nicht mehr so stark gehebelt ist wie in früheren Krisen. Anders als damals droht in einer deflationären Rezession deshalb nicht automatisch ein unmittelbarer Kollaps des Bankensystems. Im Gegenteil könnte man dem System spürbar Luft entziehen und auch die Aktienmärkte über längere Zeit fallen lassen, ohne dass sofort das gesamte Kreditgefüge zerbricht.

Das Kreditgeldsystem ist heute nicht mehr so stark gehebelt wie in den letzten Jahrzehnten

Die Märkte sind auf ein deflationäres Szenario nicht vorbereitet

Auf eine derartige Entwicklung sind die Märkte jedoch überhaupt nicht vorbereitet und für Investoren bedeutet dies einen harten Realitätscheck. Eine ganze Generation von Investoren und Tradern kennt faktisch nur steigende Kurse und Notenbanken, die eingreifen, sobald es ungemütlich wird. Diesmal könnte es anders kommen. Erstmals seit langer Zeit könnten die Märkte wieder eine echte Rezession erleben mit fallenden Aktienkursen über längere Zeit, wie zuletzt der Bärenmarkt der Jahre 2000 bis 2003 vor dem geldpolitischen Tabubruch und vor der massiven Ausweitung der Geldmenge ab 2008, die damals nötig war, um das Banken- und Kreditgeldsystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Ein mehrjähriger Aktienbärenmarkt ist für die junge Generation von Investoren unvorstellbar, doch mit Warsh könnte der ausgestorben geglaubte Bär wieder auf dem Parkett erscheinen

Interessant ist nun, dass die Pläne von Warsh genau diesem Bild Rechnung tragen. Eine weitere Kontraktion der Geldmenge würde die deflationären und rezessiven Kräfte verstärken. Sie würde damit jene Bereinigung beschleunigen, die ohnehin kaum noch zu vermeiden ist und zugleich die Aktienmärkte in einem deflationären Umfeld über längere Zeit unter Druck setzen. Es sieht daher so aus, als habe man sich, sollte Warsh tatsächlich bestätigt werden, bewusst für das deflationäre Szenario entschieden.

Für Edelmetalle wäre das kurzfristig eher belastend, insbesondere für die zyklischeren Industriemetalle. Gerade daraus könnten sich aber erneut attraktive Einstiegschancen zu günstigeren Preisen ergeben und noch bessere Chancen für Trader.

Bilanzabbau, Geldmenge und der Konflikt mit Trumps Wachstumsagenda

Warshs argumentiert klar, dass die Ausweitung der Fed-Bilanz durch Quantitative Easing die langfristigen Renditen künstlich gedrückt, Marktpreise verzerrt und Liquidität in das Finanzsystem gepumpt hat, die dort bis heute nachwirkt. Ein Rückbau dieser Bilanz würde die langfristigen Zinsen normalisieren und dem Markt ein Stück seiner Preisfindung zurückgeben. Genau dadurch, so Warsh, entstünde Spielraum für niedrigere kurzfristige Zinsen, ohne den Inflationsdruck erneut anzuheizen. Er hatte die Fed schon 2011 auch deshalb verlassen, weil er das QE-Programm für strukturell schädlich hielt. Nun will er genau diesen Kurs zurückdrehen.

Dies ist eine fundamentale Weichenstellung, denn ein Bilanzabbau der Fed ist nichts anderes als eine Kontraktion der Geldmenge. Wenn auslaufende Anleihen nicht reinvestiert werden, wird dem System weiter Liquidität entzogen. Die nach der Pandemie weiter massiv aufgeblähte Geldmenge M2 würde unter Warsh strukturell schrumpfen. Genau das entspricht im Kern jener Bereinigung, die Vertreter der Österreichischen Schule seit Jahren fordern, nämlich dem Abbau der durch QE geschaffenen Geldmenge und der daraus entstandenen Fehlallokationen.

Die eigentliche Frage lautet jedoch, ob der Markt eine solche Korrektur überhaupt absorbieren kann, ohne in eine tiefe Rezession zu rutschen. John Williams von der New Yorker Fed formulierte nüchtern, dass ein Bilanzabbau die Gesamtnachfrage dämpfen und die langfristigen Renditen erhöhen würde. Das heißt höhere Finanzierungskosten für Unternehmen und den Immobiliensektor und damit genau den Wachstumsdruck, den Trump durch niedrigere Zinsen eigentlich lindern will. Warshs Modell ist in sich konsistent, steht aber im Widerspruch zu dem politischen Auftrag, unter dem er antritt.

Warum Gold kurzfristig leiden und langfristig profitieren könnte

Für Gold ist diese Gemengelage ambivalent. Eine tatsächliche Kontraktion der Geldmenge wäre kurzfristig bärisch, da ein schrumpfendes Liquiditätsangebot den monetären Inflationsdruck mindert. Dieser Effekt setzt jedoch voraus, dass Warsh seinen Plan überhaupt durchsetzen kann, und genau das ist alles andere als sicher. Für substanzielle Änderungen bräuchte er eine Mehrheit von 11 der 12 stimmberechtigten FOMC-Mitglieder. Damit läge er auf offenem Konfrontationskurs mit dem bestehenden politischen Apparat. Janet Yellen bezweifelt bereits öffentlich, dass er eine solche Mehrheit organisieren kann. Hinzu kommt, dass seine Bestätigung durch Senator Tillis weiterhin blockiert wird.

Unabhängig davon wächst das Haushaltsdefizit weiter und genau das bleibt für Gold ein tragender Faktor, denn am Ende des Tages bleibt die Fed der Kreditgeber der letzten Instanz. Zugleich bleibt das stagflationäre Umfeld mit Inflation oberhalb des Ziels und schwachem Wachstum vorerst bestehen. Ob Warsh bestätigt wird, ob er seinen Plan umsetzen kann und ob die Geldmenge am Ende tatsächlich sinkt, sind drei unterschiedliche Fragen, die alle offen sind. Klar ist nur, dass unter Warsh wahrscheinlich keine geldpolitische Rettung der Märkte mehr zu erwarten wäre, womit sich Investoren auf ein neues Marktumfeld einstellen müssen, dass seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurde. Sollte Warsh ernannt werden und er seine Pläne umsetzen können, dürfte die Zeit der immer weiter steigenden Aktienmärkte erst einmal vorüber sein. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Dow Jones über 16 Jahre nominal an der 1.000 Punkte-Marke scheiterte, bevor er diese nachhaltig durchbrechen konnte. Vielleicht muss der deflationäre und rezessive Druck erst deutlich zunehmen, bevor die Notenbanken erneut mit quantitativen Lockerungen auf eine neue Krise reagieren werden. Das böte Investoren die neuerliche Chance günstig in Edelmetalle einzusteigen, bevor diese dann zu neuen Allzeithochs ansteigen werden.

Wer weiß was wann, Insider-Trading im Iran-Krieg

Seit Beginn der US-iranischen Konfrontation im Februar 2026 beobachten Regulatoren und Marktanalysten ein ebenso auffälliges wie konsistentes Muster. Kurz vor jedem größeren politischen Schwenk der Trump-Administration tauchen gebündelte Großwetten in Öl-Futures und Vorhersagemärkten auf, die erstaunlich präzise auf das jeweils bevorstehende Ereignis ausgerichtet sind.

Am 27. Februar platzierten rund 150 anonyme Konten auf der Wettplattform Polymarket Einsätze auf US-Luftangriffe, die einen Tag später tatsächlich erfolgten. Am 23. März sprangen die Handelsvolumina in S&P-E-Mini-Futures und Rohölkontrakten abrupt um etwa 580 Mio.$ an, rund 15 Minuten vor Trumps Truth-Social-Post über einen aufgeschobenen Angriff auf Iran. Am 7. April, Stunden bevor Trump öffentlich einen zweiwöchigen Waffenstillstand und die Öffnung der Straße von Hormus ankündigte, flossen rund 950 Mio.$ in Oil-Put-Positionen. Parallel dazu setzten mindestens 50 Polymarket-Konten auf einen Waffenstillstand. Am 17. April wiederholte sich das Muster erneut. Rund 760 Mio.$ wurden auf einen fallende. Ölpreis gesetzt, exakt 20 Minuten vor der offiziellen Erklärung des iranischen Außenministers zur Öffnung der Strasse von Hormus.

Die US-Regulatoren reagieren inzwischen und die Commodity Futures Trading Commission, (CFTC) untersucht mehrere dieser Trades. Der Kongressabgeordnete Sam Liccardo schrieb am 17. April an die SEC und die CFTC, das Timing deute auf Akteure hin, die im Voraus Kenntnis von Trumps Entscheidungen gehabt hätten. Das könnte gegen den Securities Exchange Act von 1934, den Commodity Exchange Act von 1936 und den STOCK Act von 2012 verstoßen. Die Senatoren Warren und Whitehouse hatten bereits Mitte April eine förmliche Untersuchung gefordert. Selbst das Weiße Haus warnte seine Mitarbeiter intern vor Wetten auf Vorhersagemärkten zu Iran-Themen. Allein das ist bereits ein indirektes Eingeständnis, dass der Informationsfluss aus Regierungskreisen als reales Problem erkannt wurde.

Die eigentliche Brisanz dieser Vorgänge geht jedoch weit über die juristische Dimension hinaus. Die geopolitischen Entscheidungen im Iran-Konflikt fallen nicht nur in Washington, sondern in einem Geflecht aus Verhandlungen, Mittelsmächten und Gegenparteien, das zwangsläufig auch Teheran einschließt. Wer die Muster der vergangenen zwei Monate genau verfolgt hat, erkennt sofort, dass die Informationsasymmetrie in beide Richtungen wirkt. US-Insider können auf Trumps nächsten Schritt wetten, Teheran oder dessen Verhandlungspartner auf den eigenen. Für jeden Marktteilnehmer, der ohne diesen Informationsvorsprung handelt, bedeutet das nichts anderes, als dass er an einem Tisch sitzt, an dem andere die Karten bereits kennen.

Besonders bemerkenswert ist, dass dieses Muster ausgerechnet von jemandem öffentlich benannt wurde, von dem man es kaum erwartet hätte. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf formulierte es offen. Am Sonntag, den 30. März, schrieb er auf X, Truth-Social-Posts seien oft nur ein Setup für Gewinnmitnahmen. Im Kern seien sie ein Kontraindikator. Wenn sie pumpen, short it. Wenn sie dumpen, go long. Wenn am nächsten Morgen etwas komme, wisse man, was zu tun sei. Stunden später, um 07.26 Uhr, postete Trump, es gebe große Fortschritte bei den Friedensgesprächen mit Iran. Die S&P-500-Futures hatten in der Nacht zuvor rund 1% verloren, holten nach Trumps Post ihre Verluste vollständig auf und legten weitere 100 Punkte zu. Das entsprach rund 900 Mrd.$ zusätzlicher Marktkapitalisierung in nur wenigen Stunden.

Ghalibaf hatte damit offensichtlich recht und es war kein Einzelfall. Das Timing dieser Ankündigungen, regelmäßig kurz vor Marktöffnung oder zum Wochenschluss am Freitag mit anschließender Umkehr über das Wochenende, legt nahe, dass die Entscheidung, wann Trump was sagt, kaum zufällig ist. Ob Trump dabei selbst aktiver Nutznießer ist, instrumentalisiert wird oder beides zugleich, bleibt offen. Dass Teheran dieses Spiel erkannt hat und offenkundig mitspielt, ist dagegen kaum noch zu übersehen.

Wer die Entwicklungen im Mittleren Osten in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt hat, dem musste bereits in der vergangenen Woche klar sein, dass Trumps Euphorie zum Wochenschluss völlig überzogen war und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht als belastbare Realität erweisen würde. Genau deshalb hatten wir bereits am Freitag zum Handelsschluss Gewinne mitgenommen und diametral gegensätzlich kleine Short-Positionen bei Edelmetallen und Aktien aufgebaut, während wir bei Rohöl Long gegangen waren. Premium-Abonnenten wurden über diese Zusammenhänge noch vor Handelsschluss am Freitag informiert. Dadurch konnten wir in dieser Woche unmittelbar mit einem Plus starten.

Die Manipulation als Exit- und Trading-Chance

Normalerweise rate ich davon ab über das Wochenende nennenswerte Positionen zu halten. In den vergangenen Wochen waren wir jedoch bei Gold Long mit einem Kursziel von 4.800$ und nach dem Bruch des Abwärtstrends bei Silber lag unser Ziel bei 84$. Vor diesem Hintergrund bot uns diese fast schon offenkundige Marktmanipulation einen willkommenen Exit, um bestehende Positionen nahe der Hochs zu schließen und auf die Short-Seite zu wechseln.

Gold und Silber hatten unsere Zielmarken erreicht, Gewinne mitzunehmen war daher ohnehin geplant. Zugleich wurde immer deutlicher, dass Gold bereits seit Wochen Schwäche zeigte. Die Gegenbewegung bei Gold erreichte bereits zum ersten April den Zielbereich mit 4.800 $ und konnte seither keinen nennenswerten Boden mehr gut machen, was auf Verkäufe starker Hände auf diesem Preisniveau spricht. Auch der Silberpreis konnte sich nach dem Bruch des Abwärtstrends nur mühsam nach oben kämpfen bis zum Widerstand um die Marke von 84$, die ich als Best-Case-Szenario für eine durch politische Meldungen getriebene Gegenbewegung sah.  Nachdem politische Meldungen, die offenkundig unglaubwürdig waren, nochmal einen kurzen Schub an diese Widerstände brachte, ergab sich daraus ein sehr attraktiver Zeitpunkt, um Gewinne mitzunehmen und einem anschliessenden Short-Entry. Unsere Positionen liegen inzwischen komfortabel im Plus und sind Break-Even abgesichert.

Nun erwarten wir, dass sich der Krieg zunächst fortsetzt und der Ölpreis wieder anzieht. Das könnte Gold und Silber wieder unter Druck bringen, wobei wir für diese nächste mögliche Korrektur nun bereits bestmöglich positioniert sind.

Solche Muster halten jedoch nicht ewig. Spätestens dann, wenn zu viele Marktteilnehmer begreifen, was hier gespielt wird, verlieren sie ihre Wirkung. Auch Regierungen und jene Akteure, die Märkte gezielt beeinflussen, passen sich an. Man darf sich daher keinesfalls darauf verlassen, dass die nächste groß angekündigte Meldung erneut nur eine Ente sein wird oder die Märkte wieder in ähnlicher Weise reagieren.

Nichtsdestotrotz sollte man jede großspurig vorgetragene Meldung über angebliche Friedensfortschritte mit äußerster Vorsicht betrachten. Am besten hält man über das Wochenende in der Regel weder Long- noch Short-Positionen, sofern sich nicht ohnehin ein besonders gutes Setup bietet. Andernfalls könnte das schnell nach hinten losgehen, wenn das Risiko über das Wochenende nicht adäquat gemanagt werden kann. Wer nicht einschätzen kann, was hier tatsächlich gespielt wird, sollte sich in genau solchen Phasen besser zurückhalten.

Technische Analyse: Die Gegenbewegung verliert an Kraft – wichtige Widerstände wurden getestet

Terminmarkt: COT-Report

Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

COT-Analyse vom 20. April:

Die Terminmarktdaten für den Goldmarkt zeigen in der letzten Woche eine leichte Schwäche. Der Goldpreis stieg um 131 $, während die Spekulanten nur mit 7 Tsd. Kontrakten Long gingen. Der COT-Index blieb entsprechend unverändert bei 55 Punkten. Auch im letzten Monat zeigte sich kaum Veränderung, obwohl der Preis stark schwankte zwischen 5.000 $ und 4.500 $.

Interessant ist jedoch der Blick auf den COT-Index zum Open Interest adjustiert. Dieser fiel im letzten Monat deutlich von 33 auf 16 Punkte und rutschte damit in den Verkaufsbereich, während der Goldpreis in der gleichen Zeit von 5.000 $ auf 4.864 $ fiel. Das zeigt eine klare Verschlechterung der Terminmarktdaten und ist ein bärisches Indiz für die nächsten Wochen.

Auch die Preisentwicklung der letzten drei bis vier Wochen liefert ein Warnsignal. Der Goldpreis konnte nicht mehr nachhaltig über 4.800 $ ansteigen. Das deutet darauf hin, dass nach oben nur noch begrenzt Luft vorhanden ist und jederzeit eine weitere Korrektur einsetzen kann. Ein erneuter Test des Aufwärtstrends wird mit dem neuesten COT-Report wahrscheinlicher.

Der Terminmarkt ist neutral, doch zeigte sich Schwäche im letzten Monat
Die BIG halten eine relativ geringe Short-Position, was neutral zu werten ist

Technische Gegenbewegung läuft aus

Nach dem massiven Preiseinbruch bis auf 4.100 $ im Tief setzte eine technische Gegenbewegung im Sinne einer klassischen Mean Reversion ein, die den Goldpreis wie erwartet zügig in Richtung 4.800 $ zurückführte. Seitdem gelang jedoch nur noch ein Anstieg um rund 100 $, und der Markt pendelt seit nunmehr drei Wochen seitwärts. Genau dieses Verhalten war zu erwarten. Der ehemalige Aufwärtstrend wurde dabei nicht zurückerobert, sondern lediglich im Rahmen eines Pullbacks getestet.

Trotz wiederholter Friedensgespräche blieb eine nachhaltige Anschlussdynamik nach oben aus. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass sich der Konflikt weiter hinziehen könnte. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Goldpreis erneut unter Druck gerät und zumindest den nächsten mittelfristigen Aufwärtstrend im Bereich um 4.100 $ nochmals testen wird. Je nach Dauer und Intensität des Konflikts ist es in den kommenden Monaten sogar denkbar, dass dieser Trend bricht und die letzte, sehr dynamische Impulswelle vollständig korrigiert wird. In diesem Fall wäre ein Rücksetzer bis in den Bereich um 3.500 $ möglich. Dieses Szenario ist kein kurzfristiges Ereignis, sondern eine mögliche Entwicklung über die kommenden Sommermonate.

Fundamentales Umfeld aktuell nicht bullisch

Fundamental hat sich das Umfeld zuletzt spürbar eingetrübt. Die Geldpolitik bleibt restriktiv, die konjunkturellen Perspektiven verschlechtern sich und die Liquidität nimmt ab. Damit verschlechtert sich das Umfeld nicht nur für Gold, sondern insbesondere auch für Silber, Platin und Palladium.

Vor diesem Hintergrund erscheint das Chance-Risiko-Verhältnis auf der Shortseite aktuell attraktiver. Entsprechend haben wir bereits zu Beginn der vergangenen Woche eine Short-Position eröffnet und diese inzwischen auf Break Even abgesichert. Das Aufwärtspotenzial bleibt vorerst begrenzt. Der relevante Abwärtstrend verläuft aktuell im Bereich um 5.000 $. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau würde das charttechnische Bild wieder deutlich aufhellen. Solange der Konflikt anhält und die restriktive Geldpolitik fortgesetzt wird, erscheint ein solches Szenario jedoch wenig wahrscheinlich.

Kurzfristig drängt sich kein Handlungsdruck für Käufe auf. Vielmehr bietet es sich an, geduldig zu bleiben oder taktisch auf der Shortseite zu agieren, solange sich das fundamentale Umfeld nicht klar zugunsten steigender Preise verändert durch einen Frieden im Mittleren Osten und eine wieder lockerere Geldpolitik.

Wir haben in diesem Jahr die Hoch- und Tiefpunkte am Goldmarkt nahezu perfekt erwischt und mit unseren Premium-Abonnenten getradet. Ein Teil dieser Prognosen wurde auch öffentlich zur Verfügung gestellt, sodass selbst Nicht-Premium-Abonnenten mit uns traden konnten. Wenn Sie sich für wöchentliche Chartanalysen, faktenbasierten Research und akkurate Prognosen interessieren, registrieren Sie sich für die kostenfreie wöchentliche Analyse auf www.blaschzokresearch.de ) oder sichern Sie sich direkt das Premium Abo, mit dem Sie allein in den letzten drei Monaten genau diese hochvolatile Phase erfolgreich hätten managen und handeln können.

Der Pull Back an den ehemaligen Aufwärtstrend scheint abgeschlossen zu sein

Goldpreis in Euro – Test des Aufwärtstrends in diesem Jahr noch möglich

Der Preisanstieg beim Goldpreis in Euro scheiterte an der Marke von 4.100 €, wie wir bereits vor einem Monat im letzten Marktkommentar erwartet hatten. Es war unwahrscheinlich, dass dieser Widerstand kurzfristig nachhaltig überwunden werden kann, was sich bestätigt hat. Auch der Goldpreis in Euro konnte seinen ehemaligen kurzfristigen Aufwärtstrend nicht zurückerobern, sodass sich zunehmend eine Trendumkehr abzeichnet.

Sollte sich der Krieg fortsetzen und das geldpolitische Umfeld entsprechend hawkish bleiben, wäre ein erneuter Test der 200-Tage-Linie bei rund 3.700 € je Feinunze durchaus möglich. Im weiteren Verlauf wäre sogar ein finaler Rücksetzer bis zum langfristigen Aufwärtstrend im Bereich von etwa 3.300 € je Feinunze denkbar.

Kurzfristig ist das Chance-Risiko-Verhältnis damit unattraktiv, weshalb sich insbesondere für Daytrader eher die Short-Seite anbietet. Nach dem sauberen Doppeltop am Goldmarkt und dem vorangegangenen zweijährigen Anstieg ist davon auszugehen, dass es mehrere Monate dauern dürfte, bis ein nachhaltiger Boden ausgebildet wird und das Sentiment wirklich bereinigt ist.

Ein Test des langfristigen Aufwärtstrends bei rund 3.300 € je Feinunze bleibt daher auf Sicht der kommenden Monate ein realistisches Szenario. Die Geldpolitik sowie die Lage im Nahen Osten bleiben dabei die entscheidenden Einflussfaktoren, doch aktuell spricht vieles dafür, dass dieses Szenario das wahrscheinlichste ist.

Der langfristige Aufwärtstrend wurde noch nicht getestet, doch wäre dies in einem finalen Abverkauf denkbar, wenn der Krieg im Mittleren Osten noch längere Zeit andauert

Rechtliche Hinweise und Fußnoten einblenden

Blaschzok Research Newsletter