Technische Analyse: Gold testet Aufwärtstrend - Gefahr eines Einbruchs!
Ist das die Einstiegschance oder steht eine erneute Korrektur bevor?
Terminmarkt: COT-Report Gold
Der COT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die COT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.
COT-Analyse vom 29. Mai:
Der Goldpreis stieg zur Vorwoche um 22 $ an, während die Spekulanten in der gleichen Zeit mit 6 Tsd. Kontrakten Long gingen. Das zeigt in der letzten Woche eine leichte Stärke am Markt.
Im Vergleich zu den letzten zwei Wochen sieht das Bild jedoch etwas anders aus. Der Goldpreis fiel um fast 180 $, ohne dass sich die Terminmarktdaten entsprechend verbessert hätten. Dies ist ein Zeichen von Schwäche, das sich auch zum Vormonat zeigt, als der Goldpreis um 102 $ fiel, während der COT-Index zum Open Interest adjustiert praktisch unverändert blieb.
Die minimale Stärke der letzten Woche hat daher nur eine geringe Aussagekraft. Viel wichtiger ist, dass sich sowohl zum Vormonat als auch in den letzten zwei Wochen eine Schwäche gezeigt hat. Der Goldmarkt ist mit einem COT-Index zum Open Interest adjustiert von nur 23 Punkten weiterhin deutlich überkauft.
Der Test des Aufwärtstrends in der letzten Woche war ein starkes Warnsignal. Sollte der Aufwärtstrend noch einmal getestet werden, dürfte er wahrscheinlich brechen. Danach könnte es zu einem massiven Long-Drop kommen, bei dem sich der Terminmarkt bereinigt.
Goldpreis an entscheidender Unterstützung
Der Goldpreis testete in der vergangenen Woche eine wichtige Dreifachunterstützung, als er im Tief auf 4.367 $ fiel. In diesem Bereich verlaufen die 200-Tage-Linie, eine bedeutende charttechnische Unterstützung sowie der seit zweieinhalb Jahren intakte Aufwärtstrend. Noch hält diese Unterstützungszone, doch die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeigt zunehmend Schwäche, sodass der Aufwärtstrend mittlerweile gefährdet erscheint.
Aktuell handelt der Goldpreis weiterhin in seiner eingekeilten Formation zwischen rund 4.400 $ auf der Unterseite und 4.800 $ auf der Oberseite. Ein Ausbruch über den Abwärtstrend würde ein bullisches Kaufsignal liefern und das Potenzial für eine neue Aufwärtsbewegung eröffnen. Bricht hingegen der Aufwärtstrend gemeinsam mit der Dreifachunterstützung, dürfte dies einen stärkeren Abverkauf nach sich ziehen, der sich über mehrere Wochen oder sogar Monate erstrecken könnte. Die nächste bedeutende Unterstützungszone läge dann erst im Bereich zwischen 3.400 $ und 3.600 $ je Feinunze.
Derzeit kämpfen Bullen und Bären um die Vorherrschaft an dieser Schlüsselmarke. Noch ist offen, welche Seite sich letztlich durchsetzen wird. Im Moment spricht die kurzfristige Marktstruktur jedoch eher für die Bären, weshalb Vorsicht angebracht bleibt. Gleichzeitig eröffnet die aktuelle Situation spekulativ orientierten Tradern womöglich eine interessante Chance auf der Short-Seite, um von einem möglichen Bruch des Aufwärtstrends zu profitieren. Ein solcher Abverkauf könnte später wiederum die Grundlage für eine attraktive antizyklische Kaufchance schaffen.
Fundamentales Umfeld bleibt belastend
Auch fundamental bleibt das Umfeld für Gold schwierig. Die Zinsen verharren auf einem hohen Niveau, der Konflikt im Mittleren Osten hält an und die Energiepreise bleiben hoch, weshalb sich die Konjunkturaussichten zuletzt weiter eingetrübt haben. Gleichzeitig zeigt sich die US-Notenbank weiterhin hawkish und signalisiert bislang keine baldige Rückkehr zu einer lockeren Geldpolitik.
Sollte dieses Umfeld anhalten oder sich weiter verschlechtern, dürfte zusätzlicher Verkaufsdruck auf den Goldpreis entstehen. Ein möglicher Einbruch am Kryptomarkt, der in der Folge auch die Aktienmärkte belasten würde, könnte Gold mittelfristig hingegen aufgrund der Flucht in den sicheren Hafen stützen. Ohne neue Liquidität im Finanzsystem bleiben die Rahmenbedingungen jedoch sowohl für Bitcoin als auch für Gold herausfordernd. Entscheidend wird daher sein, ob die Notenbanken in den kommenden Monaten erneut gezwungen sein werden, Liquidität bereitzustellen. Ein historischer Crash am Krypto- und am Aktienmarkt könnte den neuen Fed-Chef Kevin Warsh womöglich von einem Falken in eine Taube verwandeln. Bis dahin überwiegen aus heutiger Sicht die Risiken gegenüber den Chancen.
Goldpreis in Euro vor wichtiger Richtungsentscheidung
Der Goldpreis in Euro konnte seinen Abwärtstrend in den vergangenen Wochen zwar überwinden, doch die Anschlusskäufe blieben aus. Stattdessen wurde zuletzt ein tieferes Tief ausgebildet, womit sich bereits wieder ein neuer kurzfristiger Abwärtstrend etabliert hat. Das zeigt, dass die Käuferseite aktuell nur wenig Überzeugungskraft besitzt.
Derzeit testet Gold in Euro seine 200-Tage-Linie an einer wichtigen Kreuzunterstützung. Sollte diese Unterstützung brechen, dürfte zunächst der mittelfristige Aufwärtstrend im Bereich um 3.400 € je Feinunze angelaufen werden. Hält auch diese Unterstützung nicht stand, wäre die nächste bedeutende Zielzone im Bereich zwischen 3.000 € und 3.100 € zu finden. Insbesondere dann, wenn der Goldpreis in US-Dollar gleichzeitig seine entscheidende Dreifachunterstützung unterschreitet, dürfte dieses Szenario zunehmend wahrscheinlich werden.
Die Lage bleibt damit angespannt. Je länger der Konflikt im Mittleren Osten andauert und je höher die Energiepreise steigen, desto stärker belasten steigende Inflationserwartungen und Zinsen das Umfeld für Gold. Charttechnisch gibt es zwar noch Hoffnung, doch das Bild hat sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt. Ein Bruch des Aufwärtstrends bei Gold in US-Dollar würde die Wahrscheinlichkeit einer größeren Korrektur nochmals deutlich erhöhen.
Das bullische Szenario bleibt hingegen intakt, solange der Goldpreis in US-Dollar seinen Aufwärtstrend verteidigen kann. In diesem Fall läge der nächste wichtige Widerstand bei Gold in Euro im Bereich von 4.100 € je Feinunze. Wird diese Marke überwunden, rückt das bisherige Allzeithoch bei rund 4.600 € wieder in den Fokus. Aktuell erscheint jedoch das bärische Szenario als das wahrscheinlichere. Sollte es tatsächlich zu einem stärkeren Rücksetzer kommen, würden sich daraus mittel- bis langfristig attraktive antizyklische Kaufchancen ergeben, die man nicht verpassen darf.